Der rechte Puls

Der rechte Puls
Ausschnitt des Dashboards von "Der rechte Puls"

Automatisches Monitoring von über 30 deutschsprachigen rechten Medien


“Es gibt eine Kunstfreiheit, es gibt aber keine Kulturfreiheit." So sprach Hans-Thomas Tillschneider von der AfD neulich beim Sommerfest des Schafhirtens aus Schnellroda in Sachsen-Anhalt. Einerseits könnte man diese plumpe Spitzfindigkeit des kulturpolitischen Sprechers der dortigen AfD-Landtagsfraktion ja für lachhaft halten – auch weil er seine bescheidene geistige Flughöhe unlängst bei dem Podcast der Funke-Journalistin Melanie Amann unter Beweis stellte. Nur: Der Typ wird ggf. Kulturminister in dem Bundesland und dürfte dann versuchen, seine Drohung wahrzumachen. Dem als Kind aus Rumänien eingewanderten 48-Jährigen ist in seinem Auge undoitsche Kultur ein Dorn.

So geht es mir mit vielen dieser rechten Medien: Es ist schauerlich. Und ich habe mir zahlreiche davon angetan in letzter Zeit, um an der Automatisierung des Monitorings zu arbeiten. Einerseits zeugen sie oft von diversen charakterlichen und intellektuellen Defiziten ihrer Macher:innen. Doch alle meinen es offensichtlich ernst. Gruselig etwa die Gegneranalyse von Recherche-D. Eher erstaunlich stumpf die Texte der angeblichen Vordenker bei der "Sezession". Beim offensichtlich missionsgetriebenen Tourette-Journalismus von Nius und Apollo News sowie bei speziell gestrickten Podcastern und YouTubern frage ich mich dann immer wieder: Wie halten die das und sich selbst aus? Getreu des Mottos “Flood the zone with shit” wird die immer gleiche Empörung täglich neu aufgeführt. Wiederholung ohne wirklichen Anlass: Der Skandal wird nicht gefunden, sondern produziert, weil die Formate ihn brauchen. Siehe dazu auch das Campact-Projekt “Empörungsmedien” und das Phänomen "Audience Capture".

Archiv von "Der rechte Puls" (nur auf dem Desktop)

Nius wird meiner Meinung nach von manch etabliertem Medienjournalismus falsch eingeschätzt: Dort wird – als ob YouTube, TikTok, Instagram irrelevant wären – weiter nur auf Auflagen bzw. Klickzahlen der Website geschaut – dabei sind viele Texte dort nur Beifang der Sendungen. Das Stichwortgeben und Kampagnenlostreten geschieht per Bewegtbild: Nius etwa hat fast 600.000 Follower bei YouTube, der daraus ausgekoppelte Kanal Achtung Reichelt ähnlich viele. Tagesschau und Spiegel haben beide gut 2 Mio. bei YouTube – doch laut des Auswertungsservices Social Blade ähnliche Zahlen bei den täglichen Zuschauer:innen. Überhaupt haben viele der Videos, auch von anderen rechten YouTubern, innerhalb eines Tages hunderttausende Views. Mein neues Tool "Der rechte Puls" schneidet auch diese Daten mit.

Zwei der beobachteten Quellen bei "Der rechte Puls"

Wie auch Nius Watch, das ich Ende vergangenen Jahres startete, soll “Der rechte Puls” uns ersparen, diese permanente Flut an medialem Ungemach selbst zu sichten. Die Auswahl der Medien kam zum einen durch eigene Recherche zustande (es sind auch einige Medien aus Österreich und Schweiz dabei – siehe die Liste unten). Und profitiert auch von der Arbeit antifaschistischer Recherche-Teams wie z. B. dem Apabiz. Überhaupt gebührt diesen Teams viel Dank für ihre wertvolle Arbeit, die sie seit Jahren unermüdlich betreiben.

Der rechte Puls nutzt mein Medien- und Daten-Tool DIVER, an dem ich nunmehr seit 1,5 Jahren arbeite. Ein Dashboard zeigt auf, welche Themen, Sujets und Personen im Trend liegen. Technisch funktioniert das durch Transkribieren per LLM (Podcast, YouTube) oder Einlesen des RSS-Feeds (Blog, Website), wenn dort neue Beiträge erscheinen. Die Inhalte werden dann in mehreren Schritten eingeordnet und kurz zusammengefasst. Die Methodik wird hier erläutert.

Suche nach "Briefwahl"

Frei zugängliche ist bei Der rechte Puls ein Archiv der Beiträge der vergangenen 30 Tage (nicht auf Mobilgeräten). Die Suche dort zeigt in einem Kalender die Häufigkeit des Auftretens von Suchbegriffen. So zeichnet sich dort eine vorsorgliche Kampagne gegen die Briefwahl in Sachsen-Anhalt ab: Irgendwer muss ja schuld sein, wenn Ulrich Siegmund am Sonntag nicht die absolute Mehrheit holt, ne? Ein Ausschnitt:

  • NIUS, 27.8., „Sven Schulze setzt auf die Briefwahl: Ist das die letzte Hoffnung der CDU?"
  • Tichys Einblick, 28.8., „Briefwahl-Skandal: Wahlunterlagen dreifach verschickt"
  • Achtung, Reichelt!, 29.8., „Je unbeliebter die Partei, desto mehr liebt sie die Briefwahl"
  • Apollo News, 29.8., „Weitere Wahlpanne: Erneut wurden Briefwahlunterlagen doppelt verschickt"
  • COMPACT-TV, 31.8., „CDU fälschte Briefwahlstimmen!"
  • Aktien mit Kopf, 31.8., „Das KOTZT mich an! Vertrauen in die Wahl MASSIV beschädigt!
  • NIUS, 03.09., „Demente 95-Jährige soll schon gewählt haben – Bevollmächtigter stellt Strafanzeige"

Genau darum geht es bei Der rechte Puls: ein Frühwarnsystem, um die Kampagnen der Rechten zu erkennen, was sie bewegt, was sie aushecken. Dazu erscheint ein automatisch erstellter wöchentlicher Newsletter, den ihr abonnieren könnt. Von dessen Erscheinen erfahrt ihr auch bei Bluesky und Mastodon.

Ich freue mich über euer Feedback!

Schließen möchte ich mit einem Zitat vom Medienjournalisten René Martens:


Journalismus, der nicht antifaschistisch ist, ist keiner.

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Liste der beobachtenen Quellen bei "Der rechte Puls":

Websites/Blog (4)

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YouTube (19)
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Podcast (6)
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