taz lab bereitet Normalisierung rechter Medien eine Bühne

Der rechte Medienpodcast "based" darf am Samstag beim #tazlab den Hassprediger Ulf Porschard interviewen. Die Begründung: Seine Perspektive sei ernst zu nehmen.

divere Kacheln mit Köpfen und Zita
Screenshot des Instagram-Kanals von "based"

120 Folgen hat der rechte Medienpodcast "based" seit 2022 veröffentlicht. Beim "taz lab" an diesem Wochenende werden dessen Macher dort Ulf Porschardt vom Axel-Springer-Verlag interviewen. Bemerkenswerterweise hat der etablierte Medienjournalismus über die Tätigkeit von "based" bisher noch nicht berichtet. Was aus zwei Gründen verwundert:

1. Geben sich doch dort meist männliche rechte Medienmenschen die Klinke in die Hand: unlängst erst Julian Reichelt, davor Kai Diekmann, Holger Friedrich, Julia Ruhs, Max Mannhart (Apollo News) usw. usf.. Sie plaudern dabei offen über ihre Strategien, Pläne und wie sie in Teilen zusammenwirken. Und selbstredend wird darüber gejammert, wie fies und blöd die linksgrüne Medienbubble ihrer Meinung nach sei.

2. Ist unklar, wer das Ganze finanziert. Die beiden Gründer von "based", Benjamin Scherp und Dominik Steffens, betreiben das Ganze als GbR: Scherp ist aktuell Volontär an der "Axel Springer Academy"; Steffens war bis letztes Jahr bei Welt/Business Insider beschäftigt. Neben der Springer-Blase gehören sie auch zum Umfeld der rechtslibertären Prometheus gGmbH. Deren Finanzierung stammt u.a. von antiprogressiven Projekten wie der Rising Tide Foundation (Schweiz) oder dem Atlas Network (USA) sowie privaten Spender:innen (siehe Lobbycontrol). Im Jahresbericht des Unternehmens 2025/26 (S. 12, pdf) wird "based" als Projekt eines Dagegenhaltens gegen die "erfolgreich von links" bespielten Plattformen bezeichnet; gesendet wird aus den "Allee Studios" der Firma im Berliner Prenzlauer Berg. Der einzige Gesellschafter von Prometheus ist der Oligarchen-, pardon Familienunternehmen-Lobbyist Frank Schäffler (FDP).

Reichelts Stiuss

Vor zehn Tagen durfte Reichelt seinen Stiuss bei ihnen absondern: Die beiden based-Gründer dienen nur als Stichwortgeber; sie hängen an den Lippen des selbstgefälligen Rumpelstilzchens, das sie zum Ende hin noch einmal gönnerhaft "herzlich willkommen" heißt. Willkommen in der "Bewegung für neue Medien", die laut Reichelt an Fahrt gewinnen würde. "Ihr seid ja de facto Teil davon", sagt der Nius-Chef zu den beiden, ohne Widerspruch zu ernten (35. Min. bei YouTube). Überhaupt wird weder nachgehakt noch werden Fakten ins Feld geführt, wie beispielsweise beim Thema Atomkraft die Aspekte Kosten, Baudauer und Atommüll; geschweige denn werden unangenehme Fragen gestellt – etwa: Was hat es eigentlich mit der Finanzierung durch einen Multimillionär auf sich?

Vergangenen November wurde taz-Redakteur Jan Feddersen Teil des Teams von "based". Ein geschickter Schachzug der "based"-Macher und der Netzwerke, die sie finanzieren. Denn damit war auch ein Slot beim taz lab inbegriffen – dessen Kurator praktischerweise Feddersen ist. Auf der jährlichen Konferenz der Zeitung in Berlin dürfen Scherp und Steffens nun diesen Samstag für Poschardt das Mikrofon halten. Feddersen ist ebenfalls bei dem "Manel" dabei, der rein mit Männern besetzten Runde. In seinem Portrait auf der Konferenz-Website wird nicht erwähnt, dass er bei "based" mitwirkt.

Artikulationshilfe für den Ulfenbeinturm

Die taz "tritt ein für die Verteidigung und Entwicklung der Menschenrechte und artikuliert insbesondere die Stimmen, die gegenüber den Mächtigen kein Gehör finden", heißt es in deren Redaktionsstatut. Tja, wer, wenn nicht der Herausgeber von Welt, Politico Dtl. und Business Insider Dtl. benötigt Artikulationshilfe gegenüber den Mächtigen? Ebenfalls wird verkündet: "Die taz wendet sich gegen jede Form von Diskriminierung." Warum dann einem der bedeutendsten Enabler von Ressentiments hierzulande nebst Claqueuren eine Bühne überlassen wird, erstaunt.

Die taz-Pressestelle antwortete auf Nachfrage: Erklärtes Ziel des Kongresses sei es, unterschiedliche Perspektiven ernst zu nehmen. Feddersen verstünde die beiden "based"-Gründer und den Podcast als "ausdrücklich brückenbauerisch zwischen den politischen Lagern". Er werde auf der Bühne mit dabei sein, damit es auch mit dem Publikum einen Austausch darüber gebe, ob auch mit Andersdenkenden geredet werden kann und müsse. Zudem würde Transparenz über die Verbindungen des Podcasts zur Prometheus gGmbH hergestellt.

Was an dem hasserfüllten Schrott von Porschardt ernst zu nehmen sei, wird seitens der Pressestelle nicht erläutert. Und allein ein Blick auf den Instagram-Kanal von "based" genügt, um zu erkennen, dass dort wenig Interesse am Brückenbau herrscht. Vielmehr geht es darum, die ewig gleichen Behauptungen des rechten Kulturkampfs immer wieder durchzudeklinieren. Wenn die ernsthaft für diskussionswürdig gehalten werden, ist "based" erfolgreich. Offensichtlich wird der Podcast dafür als Aushängeschild des rechten Medienkosmos aufgebaut und gefördert. Dabei fliegt er erstaunlicherweise unter dem Radar des hiesigen Medienjournalismus. Und ausgerechnet die taz bereitet ihm für seine Normalisierungsmission eine Bühne.

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