Die 15-fache Verspätung
Version 2 von verspaetung.net schneidet nun deutlich mehr Daten mit: 280 statt 18 Bahnhöfe. Damit wird eine Live-Map möglich. Und die Datenlage zu Verspätungen und Ausfällen im Regionalverkehr verbessert sich deutlich.
Die grundlegende Idee von verspaetung.net ist, statt gefühlter Fakten zu Verspätungen und Ausfällen auf belastbare Daten zugreifen zu können. Über die Fahrten der Deutschen Bahn AG, die uns allen gehört. Doch bezeichnenderweise haben wir, die Besitzer:innen, im Detail keinen Zugriff auf die Verspätungs- und Ausfalldaten dieser wertvollen Mobilitätsinfrastruktur. Unsere Bahn könnte sie problemlos veröffentlichen – für jeden ihrer 10.000+ Bahnhöfe.
280 Bahnhöfe schneidet verspaetung.net jetzt mit. Alle Stationen, an denen irgendeine Form von Fernzug hält (IC, EC, ICE, FLX, TGV …). Damit liegt Version 2 der Anwendung vor, die diesen Februar mit 18 Bahnhöfen in Betrieb ging. Die 15-fache Menge an beobachteten Stationen bedeutet: Ihr könnt euch jetzt auch regionale Situationen genauer betrachten – wie hier das Beispiel diverser Bahnhöfe im Ruhrgebiet am gestrigen frühen Abend.

Die Daten ermöglichen es ebenfalls, eine Live-Karte der Fernzüge darzustellen, die recht gut zeigt, wo es gerade hakt. Wenn ihr die Anwendung am Desktop nutzt, stellt die Liste der aktuellen Fernzüge links der Karte ein Ranking dar: Welcher Zug hat derzeit die meiste Verspätung? Ihr könnt auf der Karte Verbindungen und Bahnhöfe anklicken. Die Liste links lässt sich aber auch durchsuchen:
– nach Zugtyp (z.B. FLX für Flixtrain)
- nach einem Bahnhof. Im letzteren Fall zeigt die Karte dann alle Verbindungen, die derzeit diesen Ort als Halt haben
– nach konkreter Zugnummer: Wo ist mein Zug oder derjenige der Person, die ich nachher abholen möchte? Jede Fernverbindung hat eine URL, die ihr mit anderen teilen könnt – etwa: verspaetung.net/2026-09-10/ice-642. Nach Aufruf der URL seht ihr dann den Verlauf des Zuges und seine Position:

Die genauere Datenlage bedeutet: Täglich werden jetzt ungefähr 3000 Verbindungen registriert (vorher waren es ca. 550). D.h. es werden deutlich mehr Nahverkehrszüge erfasst. Zumindest die Regional-Expresse (RE) als Zubringer zu Fernverkehrs-Stationen dürften jetzt nahezu zu 100% abgedeckt sein. Die DB AG selbst gibt an, dass es monatlich um die 780.000 Fahrten inkl. S-Bahn im Nahverkehr gäbe – im Fernverkehr 20.000. verspaetung.net deckt jetzt also gut 10 Prozent davon ab.
Nehmen und Geben
Auf der besseren Auswertung und Darstellung von Ausfällen wird der Schwerpunkt der nächsten Version liegen. Wie auch auf den historischen Verspätungsdaten, etwa nach Bahnhof, Zugtyp und Strecke. Auch hier stellt sich die Frage: Die Bahn könnte detailliert Daten dazu veröffentlichen – warum tut sie es nicht?
Jedenfalls: verpaetung.net stellt nun für ca. 280 Bahnhöfe OpenData zur Verfügung. Die Daten reichen zurück bis zum 1. September 2026 und zeigen im 15‑Minuten-Takt, wie es zu einem bestimmten Zeitpunkt mit der Anzahl der verspäteten Züge in den nächsten 60 Minuten aussah sowie den Ausfällen. Hier findet sich die Dokumentation der Schnittstelle.
Wer einige Male am Tag ein automatisches Update über die Lage im Bahnverkehr erhalten möchte, der folge verspaetung.net auf Bluesky oder Mastodon.
Wie immer: Ich freue mich über Feedback. Gute Fahrt.